Menschenhandel in Europa

Das Problem

Schätzungsweise 2 Mio. Menschen in Europa leben in Sklaverei.

Europa gilt als Herkunfts-, Transit-, und Zielregion für Betroffene, die über Menschenhandel in sexuelle Ausbeutung und Arbeitsausbeutung geraten. Rumänien und Bulgarien zählen zu den fünf Herkunftsländern innerhalb der EU, die regelmäßig die meisten Betroffenen aufweisen (EU Kommission, 2025). Auch in Polen ist diese Zahl besorgniserregend hoch. Menschen auf der Suche nach besseren Perspektiven für ihr Leben sind besonders anfällig für falsche Versprechen Krimineller von Arbeit, Wohlstand und Glück.

Einmal in ihrer Gewalt, verschwinden die Betroffenen häufig in anderen Ländern der EU, um dort als Arbeitskräfte oder sexuell ausgebeutet zu werden – auch in Deutschland. Während Menschenhandel keine Grenzen kennt, sind staatliche Strafverfolgungsbehörden in ihrer Zuständigkeit an nationale Grenzen gebunden.

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    Menschenhandel ist eines der profitabelsten Verbrechen

    Jährlich wird mindestens ein Profit von 203 Mrd. € erzielt. Über 2/3 davon stammen aus sexueller Ausbeutung (ILO, 2024).

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    Menschenhandel ist ein wachsendes Problem

    Weltweit ist zwischen 2019 und 2022 die Zahl der identifizierten Betroffenen um 25 % gestiegen (UNODC, 2024).

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    Interventionen in Deutschland sind unzureichend

    Beratungsangebote für Betroffene sind unterfinanziert, Verfahren dauern zu lange und es gibt kein einheitliches Verfahren, um Betroffene zu identifizieren und an das Hilfesystem weiterzuleiten (DIMR, 2024).

Unsere Lösung

Wie setzt sich IJM gegen Menschenhandel in Europa ein?

Samara EATP UK

Seit mehr als 25 Jahren arbeitet IJM weltweit mit Akteuren aus Strafverfolgung und Justiz zusammen, um einige der schwersten Formen von Gewalt zu bekämpfen. Immer wieder haben wir gezeigt: Ein gestärktes Justizsystem, das Gesetze konsequent durchsetzt, schreckt Täter/-innen ab und schützt Menschen vor Gewalt.

Gemeinsam mit Partnern hat IJM das Programm zur Bekämpfung des europäischen Menschenhandels ins Leben gerufen. Die Initiative ist darauf ausgerichtet, die grenzübergreifend koordinierte Zusammenarbeit europäischer Strafverfolgungsbehörden, der Zivilgesellschaft und lokaler Akteure gezielt zu fördern. Dazu kooperiert IJM in Rumänien, Bulgarien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und seit 2025 in Polen mit der Polizei und Partnern.

Unser langfristiges Ziel ist es, die Anzahl der Betroffenen von Menschenhandel deutlich zu verringern, indem Täter/-innen strafrechtlich verfolgt werden. Zukünftig wird das Programm auf Ungarn ausgeweitet.

Unsere Strategie

Unsere Theorie der Veränderung: Gemeinsam gegen Menschenhandel in Europa

Das European Anti-Trafficking Programm (EATP) von IJM verfolgt eine ganzheitliche Strategie. Durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit und und systemische Veränderung erreichen wir nachhaltige Ergebnisse.

  • Protect
    Gemeinsame Fallarbeit

    Wir unterstützen lokale Behörden in Einzelfällen um Betroffene von Menschenhandel zu schützen. Die Fallarbeit zeigt strukturelle Schwachstellen im Rechtssystem auf und schafft praxisnahe Trainingsmöglichkeiten für lokale Behörden und Partnerorganisationen.

  • Icon Bring Criminal To Justice
    Grenzüberschreitende Zusammenarbeit stärken

    Um Fälle von grenzüberschreitendem Menschenhandel zu erkennen und strafrechtlich zu verfolgen, fördert IJM die internationale Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen Strafverfolgungsbehörden, NGOs und anderen beteiligten Stellen – auch über Landesgrenzen hinweg.

  • Icon Rescue restore
    Umfassende Nachsorge & Begleitung Betroffener

    Wir begleiten Betroffene von Menschenhandel – rechtlich, psychosozial und traumasensibel. In enger Zusammenarbeit mit lokalen Fachstellen unterstützen wir Betroffene ihre Rechte in Anspruch zu nehmen, bauen Brücken zur Justiz und fördern langfristige Stabilität.

  • Icon Strengthen Justice Systems
    Justizsysteme stärken durch politische & strukturelle Veränderung

    Gemeinsam mit Regierungen, Behörden und Betroffenen selbst geht IJM gezielt gegen Schwachstellen in Rechtssystemen vor. Dazu schulen wir zentrale Akteure im traumasensiblen, betroffenenzentrierten Umgang und setzen uns partnerschaftlich ein für gesetzliche Verbesserungen sowie den nachhaltigen Schutz Betroffener.

Unsere Wirkung

In Europa konnte IJM gemeinsam mit Behörden & Partnern bisher:

  • 130

    Betroffene von Menschenhandel in Sicherheit bringen.

  • 40

    Verurteilungen erwirken.

  • 1.260

    Angehörige von Strafverfolgungsbehörden, Justiz und Zivilgesellschaft schulen.

  • 7.000

    vor dem Krieg in der Ukraine Geflüchtete direkt unterstützen, um sie vor Menschenhandel zu schützen.

  • 73 – 85%

    weniger Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung oder Arbeitsausbeutung in sieben Regionen weltweit bewirken.

In diesen Ländern arbeiten wir in Europa

Rumänien

Was IJM Rumänien bisher erreicht hat:

  • Über 126 Betroffene von Menschenhandel konnten in Sicherheit gebracht werden - davon jeder siebte Fall in Deutschland.
  • Mehr als 40 Täterinnen und Täter wurden wegen Menschenhandel und Ausbeutung verurteilt.
  • Über 1.000 Akteure aus Justiz und Zivilgesellschaft wurden geschult, um Fälle von Menschenhandel besser zu erkennen und betroffenenzentriert zu bearbeiten.
  • Mehr als 400 Ersthelfende geschult und über 7.000 Geflüchtete vor dem Krieg in der Ukraine direkt unterstützt, um sie vor den Risiken von Menschenhandel und Ausbeutung zu schützen.
Bulgarien

Was IJM in Bulgarien bisher erreicht hat:

  • 15 Betroffenen von Menschenhandel konnten von IJM geschulte Partner mit rechtlichem Beistand und psychologischer Unterstützung zur Seite stehen.
  • 50 Beamt/-innen aus Strafverfolgungsbehörden und 10 Staatsanwält/-innen konnten sowohl in erweiterten digitalen als auch in traumasensiblen Ermittlungsansätzen geschult werden.
Polen

Schätzungsweise fast 5 Mio. Menschen in Polen sind gefährdet, Menschenhandel zum Opfer zu fallen – insbesondere zum Zweck der Arbeitsausbeutung. Deshalb weitete IJM im Juni 2025 das Programm gegen Menschenhandel in Europa auf das osteuropäische Land aus. Als staatliche Partner werden Nationalpolizei, Grenzschutz, das Büro der Staatsanwaltschaft und das Innenministerium an der Seite unserer Projektarbeit stehen. Im Fokus: der Schutz gefährdeter Gruppen in Polen sowie vor dem Krieg in der Ukraine Geflüchteter.

Deutschland, Großbritannien und Niederlande

Seit 2021 bauen Mitarbeitende von IJM in Großbritannien, den Niederlanden und in Deutschland als Verbindungspersonen zwischen ihren Ländern und Rumänien sowie künftig weiteren Ländern Beziehungen zu wichtigen, nationalen Akteuren auf, um die grenzüberschreitende Kooperation von Behörden und zivilen Organisationen zu fördern.

Dazu gehören aktuell die Förderung des Austauschs und der fallbezogenen interdisziplinären Zusammenarbeit nationaler Behörden. Wir beraten und begleiten dazu Fälle fachlich mit einem Schwerpunkt auf die Rückführung und Nachsorge von Betroffenen.

Samaras Geschichte

Ausgebeutet in Europa

240619 IJM Samara EATP 15

Die Geschichte von Samara aus Rumänien begann als verheißungsvolle Reise ins Glück. Ein Mann, den sie online kennengelernt hatte, versprach ihr die große Liebe und Wohlstand, wenn sie mit ihm käme. Als Samara in sein Auto stieg, ahnte sie nicht, dass ein skrupelloser Menschenhändler das Steuer übernahm.

Aktuelles über unsere Arbeit in Europa

EATP Romania Advocacy Conference Legislation 202409 RO Romania Advocacy Conference Legislation Approved for Full Use

Rumänien verschärft Gesetze gegen Menschenhandel

Berlin (24.09.2024) - International Justice Mission (IJM), die rumänische Sonderkommission der Abgeordnetenkammer und des Senats zur Bekämpfung des Menschenhandels und Menschenrechtsorganisation ANAIS haben gemeinsam zwei Gesetzesentwürfe ausgearbeitet, die die Unterstützung und den Schutz von Betroffenen von Straftaten verbessern und eine wirksamere Verfolgung von Menschenhändler/-innen ermöglichen werden.

EATP Romania Signing of Child Protection Compact CPC 202409 RO Signing of Child Protection Compact CPC Approved for Full Use

Partnerschaft gegen Menschenhandel: $10 Mio für mehr Kinderschutz

Berlin (18.09.2024) – Im Rahmen des sogenannten Child Protection Compact (CPC; Abkommen zum Kinderschutz) erhält International Justice Mission (IJM) gemeinsam mit der Partnerorganisation World Vision zur Bekämpfung des Kinderhandels in Rumänien eine finanzielle Förderung in Höhe von 10 Millionen US-Dollar durch das US-Außenministerium.

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Ukraine-Geflüchtete: Bedrohung durch Menschenhandel steigt aufgrund schwindender Ressourcen

Berlin – Frauen und Kinder werden sich in den kommenden Wochen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sehen, Opfer von Menschenhandel zu werden, da die Rücklagen vieler Geflüchteter allmählich zur Neige gehen, warnt die Menschenrechtsorganisation International Justice Mission (IJM). Viele von ihnen wissen nicht, dass sie ein Recht auf einen geschützten Status haben, der sie zu Arbeit, Gesundheitsversorgung und finanzieller Unterstützung in Europa berechtigt. Dies macht sie zu einem leichten Ziel für Menschenhändler/-innen, die bereits in ganz Europa tätig sind und Flüchtlinge mit falschen Angeboten für Arbeit, Unterkunft und Geld in die Ausbeutung locken können. Dringende Maßnahmen sind jetzt erforderlich, um Geflüchtete zu schützen, bevor es zu spät ist.

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