2024: Ein Jahr in Bewegung gegen Sklaverei
Unser Jahresrückblick
2024 waren unsere Unterstützerinnen und Unterstützer die unschätzbare Kraft hinter einer Welle, durch die wir bedeutende Veränderungen in unseren Projektregionen anstoßen konnten. Für uns war 2024 ein Jahr in Bewegung gegen Sklaverei. Ein Jahr, das uns Hoffnung macht!
Denn weltweit, in Europa und in Deutschland blicken wir auf Meilensteine zurück, die wir gemeinsam mit vielen engagierten Menschen erreicht haben. Diese großartigen Erfolge sind der nächste Schritt zu unserem Ziel, Sklaverei und Gewalt gegen Menschen in Armut weltweit für immer zu beenden.
2024 in Zahlen
3.597 Menschen konnten wir aus Sklaverei und Unterdrückung befreien.
1.282 Straftäter/-innen wurden verurteilt.
230 Betroffene konnten durch die Nachsorge zurückfinden in ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft.
über 43.590 Akteure aus dem Justizsystem, Regierungsbehörden, lokalen Gemeinschaften, Kirchen, Medien und Zivilgesellschaft wurden geschult, um Menschen in Armut besser vor Gewalt zu schützen.
1.238 geschulte, ehrenamtliche IJM Botschafterinnen und Botschafter in Deutschland, Österreich und der Schweiz machten auf Sklaverei aufmerksam und mobilisierten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Gegenwind für Menschenhandel
Mit der Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens mit der Regierung in Bulgarien, weitete IJM im Februar sein Programm gegen Menschenhandel in Europa auf den Balkanstaat aus. Damit wurde ein Grundstein gelegt für die Zusammenarbeit bei der Prävention, Aufdeckung und Ermittlung von Fällen von Menschenhandel, um insbesondere Geflüchtete aus der Ukraine sowie gefährdete Gruppen in Bulgarien und Rumänien zu schützen.
Bedeutende Meilensteine im Einsatz gegen Menschenhandel setzte der Senat in Rumänien mit drei neuen Gesetzen im Mai und Oktober. In enger Kooperation mit IJM erarbeite der zuständige Sonderausschuss ein erweitertes Regelwerk, das nicht nur Strafmaßverschärfungen für Menschenhandel vorsieht. Es zielt gleichzeitig darauf ab, die Unterstützung und den Schutz von Betroffenen zu verbessern und eine wirksamere Verfolgung von Menschenhändler/-innen zu ermöglichen.
Im Rahmen eines Abkommens zum Kinderschutz in Rumänien erhielt IJM im September gemeinsam mit der Partnerorganisation World Vision eine finanzielle Förderung von 10 Mio. US-Dollar durch das US-Außenministerium. Diese auf fünf Jahre angelegte Partnerschaft umfasst Programme zur Bekämpfung des Kinderhandels sowie von Zwangsarbeit und der sexuellen Online-Ausbeutung von Kindern in Rumänien.
Wegweisende Fortschritte für den Kinderschutz
Seit Anfang 2024 arbeitet IJM als anerkannter Partner der Regierung in Bangladesch, um gemeinsam tausende Kinder vor sexueller Ausbeutung zu schützen. Erste Polizeitrainings ab Mai schulten über 50 Beamte darin, die Anzeichen von Menschenhandel zu erkennen und Fälle betroffenenzentriert zu ermitteln. Die Schulungen qualifizierten die Teilnehmenden als Ausbildende, um ihre erworbenen Fachkenntnisse zukünftig in ähnlichen Trainings weiterzugeben. Ein starker Auftakt, der eine vertrauensvolle Beziehung zu Regierungsbehörden in Bangladesch auf den Weg bringt.
Um Kinder besser vor Formen des sexuellen Missbrauchs zu schützen, hat die EU-Kommission 2024 begonnen, eine bestehende Richtlinie zu überarbeiten. In Gesprächen mit Funktionären und deutschen Ministerien trug IJM maßgeblich dazu bei, Lücken bestehender Gesetze aufzuzeigen und das Strafrecht und die Art des im Internet live übertragenen sexuellen Missbrauchs an Kindern, z.B. auf den Philippinen, erstmals umfassend abzubilden. Der erweiterte Entwurf der Direktive geht nun an EU-Rat und EU-Parlament.
Die erschütternde Realität sexueller Online-Ausbeutung von Kindern enthüllt eindringlich die im Mai ausgestrahlte ARTE-Dokumentation „Kinderschänder im Visier“ von Laetitia Ohnona. Wir konnten dazu beitragen, dass der Film u.a. den Missbrauch per Livestreaming auf den Philippinen sowie die Verantwortung von Nachfrageländern wie Deutschland aufgreift.
Betroffene entfesseln Veränderung
Im April starteten in Ghana 117 von IJM geschulte Aktivist/-innen des Global Survivor Network (weltweites Netzwerk Betroffener) eine Kampagne, um lokale Gemeinschaften am Volta-Stausee über Kinderhandel aufzuklären und Regierungsbehörden zu mobilisieren, Kinder besser vor Sklaverei zu schützen. Mit Erfolg! Wie IJM Ghana berichtet, melden zunehmend Menschen in der Region Fälle bei der Polizei. Nur sechs Monate nach Beginn der Kampagne wurden acht Kinder aus der Arbeitsausbeutung befreit.
In der bisher einzigartigen Bewegung Movimiento de Valientes (Bewegung der Tapferen) schlossen sich im März ehemalige Gewaltbetroffene aus 15 Ländern Lateinamerikas zusammen, um gemeinsam Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu bekämpfen. Unter den Gründerinnen befinden sich auch Betroffene, die IJM in Guatemala und Kolumbien begleitete. Mit Movimiento de Valientes erheben sie in ihren Ländern mittlerweile wirkungsvoll ihre Stimme. IJM unterstützte die Aktivistinnen bei der Gründung dieses neuen Netzwerks.
Im Überblick: Weitere Highlights aus 2024
Herausragender Einsatz gegen Sklaverei: Nach einer Spende von 100.000 € an IJM aus ihrem jährlichen Benefiz-Stream vertieften die YouTuber und Streamer von „Loot für die Welt“ im März ihr Engagement bei einem Besuch in unserem Berliner Büro.
Sportlich für die Freiheit: Im Juni gingen 60 Läufer/-innen aus ganz Deutschland beim IJM Mudraise in Arnsberg (NRW) durch den Matsch und sammelten vorab über 41.000 €. Mittendrin in diesem Jahr: die Social-Media-Influencer Ronnie Berger sowie gemeinsam im Team Space Frogs Steven Schuto und DeanAufInsta.
In Ghana traten 14 Aktivisten des Ghana Survivor Network im August zum IJM Freedom Run an. Das sportliche Engagement der Teilnehmer, die selbst alle Sklaverei am Volta-Stausee erlebt haben, erbrachte mehr als 11.000 € an Spenden für die Arbeit von IJM, um ghanaische Kinder vor Arbeitsausbeutung zu schützen.
Festivalsommer für Gerechtigkeit: Ob splash!, Freakstock, oder Lollapalooza – zwischen Juli und September waren wir eingeladen, Musikfans aus ganz Deutschland an unseren Infoständen für unser gemeinsames Ziel einer Welt ohne Sklaverei zu begeistern.
Mit prominenter Unterstützung: Lollapalooza-Headliner und IJM-Künstlerpartner OneRepublic verlosten in einer gemeinsamen Aktion mit IJM Stopp-Sklaverei-T-Shirts über ihren Instagram-Kanal. Seit 2019 unterstützt die amerikanische Band unsere Arbeit und macht öffentlich auf moderne Sklaverei aufmerksam.
Im Oktober gingen rund 165 Teilnehmende mit uns in einer "interaktiven Erkundungsreise" auf Spurensuche nach Spannungen zwischen Spiritualität + Gerechtigkeit auf der gleichnamigen Konferenz von IJM, Berlinprojekt, CVJM Hochschule und mi-di in Berlin.
Ehrenamtliche im Einsatz für die Freiheit
Dank Präsenzschulungen und unserem Online-Basiskurs wuchs unsere Bewegung der Ehrenamtlichen im vergangenen Jahr um 66 neue IJM-Botschafterinnen und -Botschafter. In aktuell 25 IJM-Gruppen und Campus-Gruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Ehrenamtliche regional aktiv, um über Sklaverei und Gewalt aufzuklären.
Aktionstag #stoppsklaverei: In 15 deutschen Städten machten unsere Ehrenamtlichen im Oktober mit fiktiven 80-Euro-Scheinen – der Preis eines Menschen in Sklaverei – auf Gewalt und Ausbeutung aufmerksam. Unter dem Motto "Kein Mensch sollte ein Preisschild tragen" gingen Ehrenamtliche für die Freiheit auf die Straße. Auf den sozialen Medien wurden sie dabei unterstützt von IJM-Künstlerbotschafterin Sarah Marie.
Im Mai trafen sich mehr als 120 Ehrenamtliche, Interessierte und Mitarbeitende von IJM auf unserer Konferenz Trendwechsel in Kassel, zum Austausch und zur Ermutigung für ihr Engagement gegen moderne Sklaverei. Hochkarätige Vorträge u.a. von Anu George (CEO IJM Kanada) und Tim Niedernolte (TV-Moderator und Buchautor) wurden abgerundet von einem Konzert von Jupiter Jones-Frontmann und IJM-Künstlerbotschafter Nicholas Müller.
Wir sind begeistert, wie viel Bewegung gegen Sklaverei im Jahr 2024 steckte. Denn es zeigt uns, wie viele Menschen mit uns zusammen laut und engagiert für Freiheit und Gerechtigkeit einstehen. Mit gutem Grund blicken wir deshalb auf 2025 wenn wir sagen:
Wir sind hoffnungsvoll!
Dieser Artikel wurde am 1. April 2025 aktualisiert.